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Bildungs-ID? Nicht schon wieder eine ID.

Blog für Gesellschaft und Digitalisierung

Bildungs-ID? Nicht schon wieder eine ID.

Die Einführung einer Bildungs-ID zur Steigerung der Bildungsgerechtigkeit, Bildungssteuerung und Chancengleichheit ist seit einiger Zeit wieder im öffentlichen Diskurs. Eine neue Bildungs-ID alleine hilft nicht, vielmehr erfordert es einen Datenaustausch zwischen Institutionen um die gemeinsame Hilfestellung für die Schüler und Schülerinnen effektiver zu gestalten. Dabei kann bereits eine bestehende ID gute Unterstützung leisten. Die Bürger-ID.

Ich plädiere also bei der Umsetzung nicht eine zusätzliche ID zu schaffen, denn damit wird die Bürokratieaufwand für die Menschen, Schulen, Städte, Länder und den Bund erheblich anwachsen. Wer soll sich denn in dem Dschungel von Identitäten zurechtfinden. Wir haben neben der Bürger-ID zusätzlich die Gesundheits-ID, die Steuer-ID, eine Bayern-ID und noch mehr. Stattdessen sollten man auf bestehende Identitätsstrukturen des Bundes und der EU zurückzugreifen.

In Deutschland gibt es die Bürger-ID für alle deutschen Staatsbürger ab Geburt. Für Kinder und Jugendliche mit europäischer Staatsangehörigkeit kann das EU-Wallet helfen. Für Bürger ausserhalb der EU fordert die GVG (www.gvg.org) mit ihren neuen Leitlinien zu digitalen Identitäten bereits eine Lösung, zB via Bund.ID.

eID ab 12 Jahren: Digitale Identität für Jugendliche

Während Erwachsene bereits eine eID (elektronische Identität) nutzen können, um Behördendienste online zu erledigen, bleiben Jugendliche unter 16 Jahren davon ausgeschlossen. Dies führt zu unnötigen Doppelstrukturen wie einer separaten Schüler-ID. Eine einfache Lösung liegt auf der Hand: Die Absenkung des Mindestalters für die eID auf 12 Jahre.

Warum eine eID ab 12 Jahren?

  1. Eine einzige ID statt Mehrfachstrukturen
    Derzeit gibt es separate Identifikationssysteme für Schüler (Schüler-Ausweis) und Bürger (Bürger-ID). Doch die Bürger-ID wird bereits bei Geburt vergeben. So steht es im Steuer-Identifikations-Gesetz und im Registermodernisierunggesetz. Wenn sie mit 12 Jahren bereits verfügbar für digitale Nutzung freigeschaltet würde, könnte eine doppelte Erfassung entfallen.
  2. Digitale Teilhabe für Jugendliche
    Schüler brauchen für viele Dinge bereits eine offizielle Identifikation, z. B. für Schülerfahrkarten, Bibliotheksausweise oder Prüfungen. Eine eID würde diese Prozesse vereinfachen. Gleichzeitig könnten sie früh lernen, sicher mit digitalen Identitäten umzugehen.
  3. Vereinfachung der Verwaltung
    Eine einheitliche eID würde den bürokratischen Aufwand für Schulen, Behörden und Eltern reduzieren. Gleichzeitig könnte sie für Bildungs- und Sozialleistungen genutzt werden, ohne jedes Mal neue Anträge stellen zu müssen.
  4. Europa und die Zukunft der digitalen Identität
    Andere europäische Länder arbeiten bereits an digitalen Identitäten für Jugendliche. Deutschland könnte mit einer eID ab 12 Jahren eine Vorreiterrolle übernehmen.

Rechtliche und technische Umsetzung

  • Die Bürger-ID ist bereits vorhanden und könnte durch eine gesetzliche Änderung für die eID-Funktion mit 12 Jahren freigeschaltet werden.
  • Der Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion könnte auf 12 Jahre abgesenkt werden, sodass Jugendliche ihn frühzeitig nutzen können.
  • Eltern könnten bei Bedarf zustimmen, ähnlich wie es bei Bankkonten oder anderen digitalen Diensten für Jugendliche der Fall ist.

Wer muss aktiv werden?

  • Bundesregierung & Bundestag: Gesetzliche Anpassung der eID-Nutzung und des Mindestalters für den Personalausweis, sowie Ergänzung von Bund.ID und EU-Wallet um eine digitale Identifikation von Nicht-EU Bürgern.
  • Bundesdruckerei & IT-Dienstleister: Technische Anpassung der Systeme zur Nutzung der Bürger-ID für die eID ab 12 Jahren.
  • Länder & Schulen: Integration der eID in schulische Verwaltungsprozesse (z. B. für Schülerfahrkarten oder Prüfungen).
  • Eltern & Jugendliche: Sensibilisierung für den sicheren Umgang mit digitalen Identitäten.

Mit dieser Reform würde Deutschland nicht nur Bürokratie abbauen, sondern auch die digitale Souveränität der nächsten Generation stärken. Diese ID befördert die Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit indem die Schulen, Jugendämter und andere Institutionen den Schülern und Schülerinnen gemeinsam helfen können.

 

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